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Diskrepanz zwischen
öffentlicher Diskussion und Wirklichkeit
Ein ernstes Problem ist das
gewaltige öffentliche Informationsdefizit, obwohl wir tagtäglich geradezu
bombardiert werden mit Fernsehdiskussionen,
Meldungen und Berichten. So hören wir immer gleiche Behauptungen der Politiker
von CDU/CSU,FDP, Grüne und SPD, von Unternehmern, Wirtschaftsfunktionären,
in TV-Sendungen mit Anne Will, Illner, Kerner und vielen, vielen mehr über "die Globalisierung, zu hohen Löhnen
und Sozialkosten, Bedrohung der internationalen
Wettbewerbsfähigkeit, Überlastung der Rentenversicherung durch die demografische
Entwicklung, hoher
Staatsverschuldung, notwendigen Unternehmens-Steuersenkungen,
usw." Was für uns aber kaum mehr
erkennbar ist: Diese Darstellung der Sozial- und Wirtschaftspolitik ist fast
ausschliesslich bestimmt von den Interessen der Wirtschaft. Aber nicht mehr der
Grundsatz der sozialen Marktwirtschaft dominiert sondern eine Wirtschaft der
hemmungslosen Profitmaximierung; unterstützt von einer verfilzten,
willfährigen Politik. Kritische Hinterfragungen, Gegendarstellungen,
Korrekturen falscher Behauptungen und Darstellungen geraten kaum mehr in die
breite Öffentlichkeit.
Viele Menschen spüren die
Diskrepanz zwischen öffentlicher Darstellung und Wirklichkeit. Trotz der unzähligen
"Reformen", Sozial- und Lohnkürzungen zur „Stärkung“ der Wirtschaft, für mehr
Arbeitsplätze: Seit über 25 Jahren geht es vielen Menschen schlechter
und die Massenarbeitslosigkeit, statistisch geschönt, wirkt
weiter: Anständig bezahlte Vollzeitarbeitsplätze werden immer
weniger.
Was sagen kritische Wissenschaftler, Politiker, Sozialverbände,
Kirchen,
Gewerkschaften, private Initiativen zu
Rentenreformen, zu Lohnnebenkosten,
zur Steuerbelastung, zur Arbeitslosigkeit? Hier
einige Ausschnitte:
Rentenangst:
Der Kampf um die Altersversorgung - Ist die gesetzliche
Rente tatsächlich so schlecht? Dokumentation, 5.3.2009 Videolänge
45 min mediathek.daserste.de
Rentenangst Der
Kampf um die Altersversorgung auf youtube 1 von 5
Strafanzeige
gegen Lobbyist Raffelhüschen Jörg
Köhler vom Arbeitskreis SOLIDE
RENTE
hat bei der Staatsanwaltschaft Aurich Strafanzeige gegen Prof.
Bernd Raffelhüschen wegen Beleidigung und Volksverhetzung gestellt.
Raffelhüschen
hat wieder einmal gegen die gesetzliche Rentenversicherung polemisiert
und auf einer Jubiläums Vertreter-Versammlung der Volksbank- Raiffeisenbank
in Jever/Friesland Rentnerinnen und Rentner als "Problem",
„demografische Zombies“ und „nicht sterbenwollende Hundertjährige“
bezeichnet. Seine Zuhörer verhöhnte er: "Wie fühlt man sich,
wenn man kein Problem hat, sondern das Problem ist?"
Gesamter Artikel im Jeversches
Wochenblatt
vom 25.5.2011
Wer
jahrzehntelang aus seinem Lohn hohe Beiträge in die Rentenversicherung
gezahlt hat, hat auch Anspruch auf eine angemessene Altersversorgung
und muss sich nicht von auf Veranstaltungen der Finanz- und Versicherungsbranche
tingelnden professoralen Lobbyisten beleidigen lassen. Es ist schon
unerträglich, immer die selben Interessenvertreter als "Rentenexperten"
in den ewig das gleiche Stroh dreschenden Fernsehdiskussionen a
la Kerner, Plasberg, Will, Illner, etc. vorgeführt zu bekommen.
Wie oft müssen sich diese "Experten" noch selbst disqualifizieren
bis sie von der (TV-) Bildfläche entfernt werden?
Altersvorsorge
übers Finanz-Casino - oder Pseudowissenschaft als Grundlage der
Rentenpolitik Karl-Heinz
Goll 8.3.2010 Besonders
auf die verschiedenen Argumente zugunsten der Rentenprivatisierung
soll hier näher eingegangen werden. Auf polemische Schärfe wird
bewusst nicht verzichtet, weil es um äußerst gravierende Einschnitte
in den Lebensstandard von Millionen Menschen geht. Um ein Ergebnis
vorwegzunehmen: Jeder Versuch, volkswirtschaftliche Vorteile des
Kapitaldeckungsverfahrens gegenüber dem Umlagesystem zu konstruieren,
zeigt ein erschütterndes Bild einer interessengelenkten Pseudowissenschaft...
1998 wurde das Jahr eines abgebrühten politischen
Täuschungsmanövers. Die SPD betrieb den Bundestagswahlkampf unter
dem Motto „gegen den Kohlschen Sozialabbau“. Mit der Agenda 2010
wurde unter Rot-Grün ein Lohn- und Sozialabbau eingeleitet, zu dessen
Ausmaß und Härte eine CDURegierung nicht in der Lage gewesen wäre.
Die gegenüber Blüm um ein Vielfaches brutalere Riester-Reform war
schon längst vor der Wahl von der Schröder-Entourage als Kaufpreis
für eine wohlwollende Wahlbegleitung dem Spitzenlobbyismus der Unternehmerverbände,
speziell der Finanzwirtschaft kommuniziert. Die mit den Namen Rürup
und Riester verbundene Rentenreform kann man unter Würdigung aller
Fakten nur als großangelegten, säkularen Rentenbetrug bezeichnen.
zur
Quelle
Geburtenrate Das
Märchen von der leeren Wiege 08.12.2009 sueddeutsche.de Die
Geburtenraten in den Industriestaaten steigen wieder. "Die
Angst vor extrem niedrigen Geburtenraten, die seit den neunziger
Jahren aufkam, ist unbegründet", sagt Joshua Goldstein vom
Max-Planck-Institut für Demographie. Nimmt man das ernst, fällt
die demographische Katastrophe aus. Modellrechnungen des Statistischen
Bundesamtes für eine Geburtenrate von 1,6 jedenfalls lesen sich
nicht dramatisch: Im Jahr 2030 würden in Deutschland etwa so viele
Menschen leben wie heute. Der Anteil alter Menschen stiege maßvoll.
Und verblüffenderweise kämen auf einen Erwachsenen sogar mehr Kinder
und Jugendliche als heute. Die Deutschen, so kann man mit Goldstein
annehmen, sterben so schnell nicht aus. mehr
Übersicht
Presseveröffentlichungen zum Bericht "Niedrige Geburtenraten
steigen wieder"
hr2
Audio-Beitrag Von
der Geburtenrate bis zur Rentenlüge - Wer setzt Themen und warum?
Beitrag auf "Für
eine Bessere Welt"
Rente
muss sich wieder lohnen - Die staatliche Rente ist sicherer und
billiger als jede private Lösung. Le
Monde diplomatique Nr. 8985 vom 11.9.2009 Laut
OECD haben die Pensionsfonds im vorigen Jahr rund 23 Prozent, umgerechnet
5,4 Billionen Dollar, eingebüßt. In Ländern, die ihr Rentensystem
weitgehend auf private Vorsorge umgestellt haben ist völlig unklar
wie diese Pensionsfonds die privaten Renten in versprochener und
auskömmlicher Höhe zahlen sollen. In Deutschland propagieren FDP,
CDU , Grüne und SPD weiterhin die Privatvorsorge, insbesondere die
Riester-Rente. Statt dass die Finanzkrise zu einem Umdenken führt,
wird im Wahlkampf eisern geschwiegen. Das weltweite Fiasko
der privaten Altersvorsorge ist kein Thema. Die Finanzkrise
hat erneut gezeigt, wie sicher die staatliche Rente ist. Sie blieb
vom Crash verschont, weil sie auf der Umlagefinanzierung basiert.
Angespartes Kapital entsteht dabei gar nicht erst, das in einer
Finanzkrise vernichtet werden könnte. Die staatliche Rente ist sicherer
als jede private Lösung - und außerdem noch billiger. In der
Finanzkrise ist besonders sichtbar, wie sich Banken und Versicherungen
parasitär beim Staat bedienen. Versicherungen locken mit "höherer
Rendite" bei privater Vorsorge. Doch wie sollen die Konzerne diese
Gewinne erwirtschaften, wenn sie gleichzeitig die Börsen meiden
wollen? Der Trick ist ganz einfach: Die Versicherungen investieren
direkt oder indirekt beim Staat - was allerdings kunstvoll verbrämt
wird. Das Portfolio soll breit gefächert wirken, doch faktisch steckt
fast immer der Staat dahinter. Auch hinter dem Stichwort "Pfandbrief"
verbergen ... Zur
Quelle
„Wahlgeschenk"
für Rentner? Aus einem
Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung, 18.3.09 Seit
1978 wird die Rentenanpassung in schöner Regelmäßigkeit manipuliert,
was dazu geführt hat, dass alle Renten und Rentenansprüche seitdem
um etwa 30 Prozent an Wert verloren haben. Wer weiß denn schon,
dass der Zahlbetrag unserer Renten heute niedriger ist als vor sieben
Jahren? Und auch die für dieses Jahr vorgesehene Rentenanpassung
liegt mit 2,41 Prozent unter der Teuerungsrate 2008 in Höhe von
2,6 Prozent und unter der Einkommensentwicklung 2008 in Höhe von
2,9 Prozent ....mehr
Altersarmut
und die wirklichen Ursachen Ostfriesische
Nachrichten vom 22.02.2009 - Bericht des Landrates und zwei Leserbriefe Immer
mehr arme Senioren. Zunahme um 47 Prozent in sechs Jahren im
Landkreis Aurich. Landrat Walter Theuerkauf rechnet damit, dass
schon in wenigen Jahren mehr als zehn Prozent der Senioren nicht
von ihrer Rente leben können. Sie müssen Grundsicherung (entspricht
Hartz IV) beantragen. Nach Auskunft des Landrates Walter Theuerkauf
bekamen im Jahr 2003 1205 Menschen im Kreis Grundsicherung; im vergangenen
Jahr waren es schon 1771. Das entspricht einer Steigerung um 47
Prozent. Altersarmut droht nach Aussage von Walter Theuerkauf all
denjenigen, die im Niedriglohnsektor arbeiten oder die längere Zeit
arbeitslos waren. Zu den wirklichen Ursachen Leser Rüst:
"Zunächst möchte ich daran erinnern, dass die o. g. Situation
politisch so geplant und gewollt war." "Der Renteneckwert
wurde bewusst abgesenkt und das Rentenzugangsalter auf 67 Jahre
erhöht, wird dieses Rentenalter nicht erreicht, muss hohe Abschläge
und damit Kürzungen hinnehmen. Zwangsverrentungen, ansteigende Rentenbesteuerungen,
Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, Abschläge bei den
Zurechnungszeiten schmälern die Rente erheblich. Auch das ist politisch
gewollt und muss rückgängig gemacht werden. Die zunehmenden prekären
Beschäftigungen wie 400-Euro-, Mini-, und Midi- 1-Euro-Jobs und
die Leih und Zeitarbeit hat die Politik per Gesetz ermöglicht und
damit gezielt erreicht, dass zunehmend mehr als 8 Millionen Beschäftigte
trotz Arbeit verarmen." Leserin Poelmann: "Herr
Rüst macht zu recht in seinem Leserbrief auf die tatsächlichen Ursachen
aufmerksam, die die umlagefinanzierte, gesetzliche, solidarische
Altersversorgung zerstört. Ebenso sind die seit 1957 aus der Rentenkasse
entwendeten, milliardenschweren versicherungsfremden Leistungen
zu nennen, die auch durch die jährlichen Bundeszuschüsse noch
nicht wieder ausgeglichen sind." mehr
Demografische
Entwicklung - Realität und mediale Aufbereitung Prof.
Dr. Gerd Bosbach 2008 Wie
ein Trommelfeuer hören wir es jeden Tag: Deutschland vergreist
und schrumpft, wir bekommen zu wenig Kinder und werden auch
viel älter. Und die Lösungsvorschläge sind angeblich unausweichlich,
entziehen sich also der politischen Debatte: Private Vorsorge
muss her, die realen Renten - Renten minus Inflation und zusätzliche
Sozial- und Steuerabgaben - gehören reduziert. Und nicht zu
vergessen: Arbeiten bis 67 muss sein. Im Gesundheitsbereich
können die Kassen wegen der hohen Alterslast nicht mehr so viel
finanzieren. Wer das nicht sieht, ist dumm oder verbohrt
oder sogar beides. Einige Politiker und Wissenschaftler gehen
sogar noch weiter: Zusatzsteuer und Rentenreduktion für Kinderlose
und eine Altersgrenze für medizinische Behandlungen sind ihre
Einstiegsforderungen. Die Sündenböcke sind markiert: Die Kinderlosen
und die "Alten", die auf unsere Kosten Mallorca bevölkern.
Oft stehe ich fassungslos vor dieser Debatte: Systematisch
werden positive Faktoren, obwohl augenscheinlich, ausgeblendet,
werden simple logische Zusammenhänge übersehen, werden Zukunftsberechnungen
mit der kommenden Wirklichkeit verwechselt, werden Fakten falsch
oder irreführend dargestellt - Hauptsache dramatisch. Und bei
den Lösungsideen werden notwendige Grundvoraussetzungen, obwohl
auch offensichtlich, höchstens am Rande erwähnt. Zwei Beispiele:
1. Arbeitslosigkeit: Die Wirkung der Arbeitslosigkeit ist
wesentlich stärker als die der demographischen Entwicklung der
nächsten 20 Jahre. Eine grobe Rechnung zeigt die Problematik.
Heute stehen etwa 45 Millionen Erwerbsfähige (Menschen zwischen
20 und 60 Jahren) 20 Millionen Älteren (ab 60 Jahre) gegenüber.
Die vermeintliche... zur
Quelle
Norbert
Blüm spießt einmal mehr die Fehlinformationen zur gesetzlichen
Rente auf NachDenkSeiten
21. November 2008
Die einschneidende Niveau-Absenkung ist das Ergebnis einer
neuen Rentenpolitik, die eine Beitragshöchstgrenze von 22 Prozent
festgesetzt hat. Mit diesem Beitragssatz werden dann viele Hungerrenten
entstehen. Das hat nichts mit dem Rentensystem zu tun, sondern
damit, dass der Rentenversicherung die für eine „anständige“
Rente notwendigen Beiträge vorenthalten werden. Es ist halt
so. Wenn der Motor stehen bleibt, weil nicht ausreichend Benzin
im Tank ist, ist nicht der Motor schuld, wenn das Auto nicht
weiterfährt.
Bis 1998 war ein „Sicherungsziel“, nämlich
das Rentenniveau, Orientierungsgröße der Rentenversicherung.
Jetzt ist ein „Beitragshöchstsatz“ die feststehende Größe, und
alles andere sind abhängige Variablen. Das ist ein Seitenwechsel
in der Rentenpolitik. Die Behauptung, die Beitragshöchstgrenze
sei mit Rücksicht auf die Belastungsfähigkeit der jungen Generation
unumgänglich, ist ein Trugschluss. Zu den 22 Prozent Rentenbeitrag
muss zur Berechnung der Gesamtbelastung noch 4 Prozent Riester-Beitrag
hinzugezählt werden. Das ergibt 26 Prozent Gesamtlastung und
liegt damit 2 Beitragspunkte höher, als die Rentenversicherung
gebraucht hätte, um 64 Prozent Rentenniveau zu erreichen.
Das
Paradox der Riester-Rente ist, dass sie keine Antwort auf die
Alterssicherheit derjenigen hat, die sich keine Riester-Rente
leisten können, oder wenn sie sich eine vom Munde absparen,
dann in Gefahr geraten, diese später auf die Grundrente angerechnet
zu bekommen. Dann haben diese Riester-Rentner für den Staatshaushalt
gespart.
Die Rente sinkt, weil mit der Riester-Rente
das Rentenniveau abgesenkt wurde. „Riester-Treppe“ heißt der
Fachbegriff, und die geht nach unten, und zwar auch bei jenen,
die das Absenken der Renten nicht durch Riester-Rente kompensieren
können. Die Schwächeren bekommen also eine Rechnung für Leistungen
präsentiert, welche die Stärkeren erhalten. Das ist eine auf
den Kopf gestellte Solidarität und eine Premiere in der Geschichte
der deutschen Rentenpolitik.
Was den „Pump“ angelangt,
der nach Missfelders Meinung die Rente mitfinanziert, so muss
es sich bei dieser Behauptung offenbar um eine Verwechslung
handeln. Der „Bundeszuschuss“ ist kein Kredit des Staates für
die Rentenversicherung, sondern eine Erstattung des Bundes für
Fremdleistungen der Rentenversicherung. Wie würde Herr Missfelder
eigentlich die 13 Milliarden Euro bezeichnen, mit dem der Bund
die Private Altersvorsorge fördert. Dabei kommt zu guter Letzt
das Geld nicht den Versicherten zugute, sondern bei Licht betrachtet
„Allianz & Co“. Die Vertragsabschlusskosten fressen, wie
kluge Leute nachgerechnet haben, nämlich den staatlichen Zuschuss
auf. Die Verwaltungskosten der Privatversicherung sind im Übrigen
10 Mal (und mehr) höher als die der Rentenversicherung. zum
vollständigen Beitrag
Alterskatastrophe
abgesagt Stefan Welzk
30.7.2007 Das Rentendesaster wird vor
allem herbeigeredet. Wie bitte? Ein Essay. Wenn Wissenschaftler
eine Prognose zur Rente aufstellen, greifen sie auf den "Altersquotienten
20/65" zurück. Dieses Verhältnis steigt - so glaubt man
- von heute 32 zu 100 auf 52 zu 100 im Jahr 2030. 52 alte Menschen
pro 100 Menschen im Arbeitsalter - das ist die Grundlage für
die gängigen Szenarien von Alterskatastrophe, Rentendesaster
und Lebensstandardkiller. Was die Globalisierung an Wohlstandsresten
belässt, zerbröselt nach dieser Lesart im Zangengriff von Zeugungsverweigerung
und steigender Lebenserwartung der Deutschen.
Doch ist
diese gängige These wirklich haltbar? Schon heute kommen auf
26,6 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte 20,1
Millionen Rentner. Das ist ein Verhältnis von 100 zu 75 und
es wird, wenn auch nicht ohne Mühe, geschultert. Zugleich zahlen
diese 26,6 Millionen Versicherten mit ihren Beiträgen auch den
Lebensunterhalt von 1,4 Millionen Arbeitslosengeld-I-Empfängern.
Und sie tragen zum Auskommen von 2,5 Millionen arbeitslosen
und 2,6 Millionen sonstigen erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Empfängern
bei. Unterstellt man für das Jahr 2030 den selben Anteil von
Erwerbspersonen an der Zahl der Menschen im Alter von 20 bis
65 wie gegenwärtig, so ergibt sich mit 66 zu 100 ein milderes
Verhältnis von Älteren zu Erwerbspersonen als heute zwischen
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und gesetzlichen
Rentnern. Selbst mit einer Arbeitslosigkeit von rund zehn Prozent
würde die Belastung 2030 kaum höher sein als heute das Verhältnis
von Rentnern zu Beitragszahlern. .... Quelle:
http://www.bundestag.de/dasparlament/2007/31/Titelseite/16826094.html
Dossier
Demographie, Renten und Alter Von Elmar
Getto August 2005 Die Politiker des CDUGRÜNEFDPSPDCSU-Einheitsbreis,
wie auch der Mainstream-Medien-Einheitsbrei pauken uns Tag für
Tag die Lüge in die Köpfe, die Renten seinen nicht sicher, weil
die Bevölkerung immer älter würde, weil zu wenig Babys geboren
würden: das demographische Problem. Eine Lüge? Eine Lüge! In
Wirklichkeit sind die Renten nicht sicher, weil in den letzten
30 Jahren um die 10 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland vernichtet
wurden und weil darum heute zwischen 7 und 10 Millionen der
Menschen in Deutschland keine Arbeit haben, obwohl sie arbeiten
wollen, und daher auch keine Rentenbeiträge zahlen. Wären
in Deutschland weiterhin so viele Babys geboren worden wie bis
zum „Pillenknick", hätten wir heute vielleicht 20 Millionen
statt 10 Millionen Arbeitslose und keinen Cent mehr in der Rentenkasse.
Es ... Quelle:
http://karlweiss.twoday.net/stories/2851571/
Das
Märchen von den schlechten demographischen Verhältnissen aus
NachDenkSeiten, erstellt am 20.04.2005 ...und
anderes Material zur Demographie-Debatte von Jürgen Voss. Der Statistiker und
Leser der NachDenkSeiten hat sich sachverständig und aktiv in die Debatte über
unsere angeblichen demographischen Probleme eingemischt: Wir
altern "dramatisch", die Bevölkerung schrumpft unaufhörlich,
mehr als eine Millionen Pflegebedürftige werden uns im Jahre 2050
zur Last fallen. Kein Wunder, dass die sozialen Sicherungssysteme
bedroht sind und die rastlos um unser Wohl bemühten Politiker vor
lauter Kummer nicht mehr in den Schlaf kommen. Dass ausgerechnet
der Präsident des Statistischen Bundesamtes, Hahlen immer wieder
von neuem glatten Blödsinn erzählen könnte, diese Annahme wäre angesichts
soviel inkarnierter Kompetenz wohl blanke Häresie. Und doch ist
es so: Hahlen vergißt mitzuteilen, daß von den bisherigen 10
"koordinierten Bevölkerungsprognosen" - so heißen diese
Dinger - noch keine gestimmt hat. Die Bevölkerung ist immer gewachsen
und nie geschrumpft. Ebenso vergißt er mitzuteilen, dass die
angeblich so fürchterliche Schrumpfung der deutschen Bevölkerung
im Jahre 2050 (!) auf 75 Mio. Einwohner (mittlere Variante) vom
Resultat her gerade einmal 2,7 Mio. Einwohner weniger ausmacht als
1985 (60,9 Mio. Einwohner alte Bundesrepublik, 16,9 Mio "DDR")
in Deutschland lebten und dass die Bevölkerungsdichte auf den Quadratkilometer
dann immer noch eine der höchsten der Welt wäre.
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Sobald die geburtenschwachen Jahrgänge ins
Rentenalter kommen, wird der Anteil der alten Menschen wieder sinken
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Weiter fehlt
der banale Hinweis, dass die "dramatische" Alterung das
logische Resultat der geburtenstarken Jahrgänge der sechziger Jahre
ist, denn wer geboren ist, wird nun auch mal alt und muß schließlich
sterben. Sobald die geburtenschwachen Jahrgänge die Alterspopulation
bestimmen, wird dies völlig anders sein und der Anteil der alten Menschen
wird drastisch sinken. Erwerbsfähig
im demographischen Sinne ist jeder Mensch zwischen 18 und 65, erwerbstätig
oder gar sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist er damit noch
lange nicht. So haben wir zur Zeit (und auch in Zukunft!) überhaupt
keinen Mangel an erwerbsfähigen Menschen, aber einen beträchtlichen
Mangel an (Steuer und Abgaben leistenden) Erwerbstätigen. Wäre
die rein biologische Betrachtungsweise richtig, müßten alle Entwicklungs-
und Schwellenländer mit ihren phantastischen Geburtenzahlen und
prächtigen Alterspyramiden glänzend finanzierte soziale Sicherungssysteme
haben. Da dies offensichtlich nicht der Fall ist, entlarvt die ganze
Lächerlichkeit der Demographielüge, der sich inzwischen alle Politiker
virtuos bedienen und für die ein hoch bezahlter Beamter sachwidrig
und kontrafaktisch einmal pro Jahr neue Munition liefert... Deswegen
zur Versachlichung: 1
Wir haben zur Zeit gar
keine demografischen Probleme; momentan müßten - wenn die Demografie
entscheidend wäre - die Sozialkassen überfließen. Noch nie in der
gesamten Nachkriegszeit waren so viele Menschen im erwerbsfähigen
Alter wie zur Zeit. 2
Kinder, die später arbeitslos bleiben, stützen nicht die sozialen
Sicherungssysteme, sondern sind selbst ein soziales Problem. 3
Die Kinderzahlen sind seit über dreißig Jahren innerhalb einer geringen
Variationsbreite (+/- 50.000) konstant. 4
Ausgerechnet die übers
letzte Jahrhundert gesehen krassen Ausnahmejahre 1960 - 1970 als
Basis für die Berechnung von Geburtenziffern zu nehmen ist statistisch
falsch und intellektuell unredlich. 5
Dass auch diese geburtenstarken
Jahrgänge einmal ins Alter kommen werden - etwa ab 2025 - entspricht
dem biologischen Lebenslauf. Diesen Ausnahmejahrgängen ständig quantitativ
gleichwertige Jahrgänge "nachzuschicken" wäre auf ständiges
Bevölkerungswachstum hinausgelaufen. 6
So geschehen, hätten wir
heute zwischen 20 und 22 Mio. mehr Einwohner, von denen 10-12 Mio.
Menschen (mehr) Arbeit nachfragen würden. 7
Die Zahl der Kinder
hat mit der Sicherheit von Renten nichts zu tun. Entscheidend ist
die (ständig sinkende) Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze,
oder sind die Renten in Marokko etwa am höchsten? 8
Frauen und
Männer, die ihr Leben lang in schlechten Steuerklassen hohe Steuern
und Sozialabgaben zahlen, leisten für das Gemeinwesen mehr als Familien
mit vielen Kindern, von denen in der "schönen neuen neoliberalen
Welt" garantiert viele arbeitslos bleiben.
Die Demografielüge
ist wohl deshalb nicht tot zu kriegen, weil sie den unterschiedlichsten
politischen Gruppen von links bis rechts als wunderbares Alibi dient:
für Sozialabbau, für Zuwanderung, für höhere Transferleistungen
an Familien, und nicht zuletzt als probates Mittel, im Sinne der
alttestamentarischen Sündenbocktheorie die Aggressionen auf die
kinderlosen Hedonisten zu lenken, die an unserem Niedergang schuld
sind. Wenn es sich bei diesen dann noch um Raucher handelt, um so
besser. zur
Quelle
Demografische
Entwicklung – kein Anlass zur Dramatik Aufsatz
von Prof. Dr. Gerd Bosbach - 29. Januar 2004 In
der heutigen gesellschaftspolitischen Diskussion spielt der zukünftig zu erwartende
demografische Wandel eine sehr große Rolle. Vor allem in den Bereichen Gesundheit
und Rente wird vor den Folgen einer „Überalterung“ in Deutschland gewarnt. Anhand
der im Juni 2003 veröffentlichten Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes
für die Jahre bis 2050 weist der Autor nach, dass bei ganzheitlicher Betrachtung
der Daten kein Anlass zur Dramatik besteht. Ausführungen über den Wert von Langfristprognosen
runden die Kritik am herrschenden „Demografie-Pessismus“ ab. zur
Quelle
Demografie
wird zur Demagogie Mythos
Demografie Verdi 2003
„Noch
partizipieren die Alten an der Fun-Gesellschaft. Heerscharen
von Rentnern lassen sich, finanziert vom deutschen Umlagesystem,
von Luxuslinern durch die Weltmeere schaukeln und von Jet-Clippern
zu den entlegensten Stränden dieser Erde transportieren. (...)
Kaum irgendwo sonst wird den Aktiven so viel von ihrem Arbeitseinkommen
weggenommen, wie es in Deutschland geschieht, um den Alten ein
auskömmliches Transfereinkommen zu sichern.“ Hans-Werner
Sinn: Das demografische Defizit, in: ifo Schnelldienst 5/2003
So
eingängig das Bild von den reichen Alten und dem ärmer werdenden
jungen Bevölkerungsteil auch ist, so falsch ist es. Diese Darstellung
schürt nicht nur den Verteilungskonflikt zwischen Jung und Alt,
sondern sie widerspricht auch der gesellschaftlichen Realität.
Immer mehr ältere Menschen werden aus der Beschäftigung gedrängt.
Ein Viertel der Arbeitslosen in Deutschland sind über 50 Jahre
alt. Viele erhalten nur eine relativ bescheidene Rente. Durch
die vergangenen und zukünftigen „Reformen“ der sozialen Sicherung
und die stagnierende Lohnentwicklung können viele Haushalte
ihren Lebensstandard im Alter schon heute nicht mehr sichern.
Die
Alterung der Gesellschaft kann bewältigt werden durch den
Abbau der Arbeitslosigkeit und eine höhere Erwerbsbeteiligung,
vor allem von Frauen und älteren Erwerbsfähigen. Werden außerdem
die Erwerbstätigen und Rentner mindestens in gleicher Höhe wie
die Kapitalseite an den Erträgen des Produktivitätsfortschritts
beteiligt, ist für alle im gleichen Maße eine Steigerung des
Lebensstandards möglich. Können
die gesellschaftlichen und politischen Kräfte sich durchsetzen,
die von einer Umverteilung von unten nach oben profitieren,
so wird Demografie zum Problem. Sie ist aber nicht die Ursache,
sondern lediglich der Vorwand für breite soziale Verschlechterungen.
Wenn die Beschäftigten wie auch die Rentner und Rentnerinnen
an der Wohlstandssteigerung unterdurchschnittlich Teil haben,
bedeutet dies, dass Gewinn- und Vermögensempfänger überdurchschnittlich
zulegen. Nicht die demografische Entwicklung bedroht somit den
Sozialstaat, sondern die ungleiche Verteilung der Wohlstandsgewinne. Politische
und gesellschaftliche Auseinandersetzungen werden darüber entscheiden,
ob für alle ein besseres Leben möglich wird. Und nicht die längere
Lebenserwartung und die Anzahl der Kinder, die sich Paare leisten
können oder wollen. zur
Quelle
Versicherungsfremde
Leistungen belasten Sozialversicherungen 7
bis 8 Beitragssatzpunkte der Sozialversicherung wg. versicherungsfremder
Leistungen Schmähl
kommt (1995) zu dem Ergebnis, „dass die lohnbezogenen Beitragssätze in
der Sozialversicherung bei vorsichtiger Kalkulation mindestens um 7 bis
8 Beitragssatzpunkte niedriger sein könnten“ (Schmähl, S. 614), wenn die
Beiträge (sozial-)versicherungsbezogen verwendet würden... Kompletter
Bericht "Versicherungsfremde
Leistungen" aus „Der aktuelle Begriff /2003“ der Wissenschaftlichen
Dienste des Deutschen Bundestages.
Natürlich wird auch vom BMWi die
herrschende Politik vertreten. Bemerkenswert, und deshalb an dieser Stelle
dargestellt, zwei Ausführungen in der Stellungnahme des Beirats von 1998
(die
von ihrer Aktualität nichts verloren haben. Anmerkung am 19.4.2008):
A
Die aktuellen Rentenfinanzierungsprobleme durch die
Massenarbeitslosigkeit
B
Annahmen zur Entwicklung der Bevölkerungsstruktur
Grundlegende
Reform der gesetzlichen Rentenversicherung
Stellungnahme des
Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft im Februar 1998
A Schon in
den letzten Jahren sind mehrere Probleme zusammengetroffen, die für sich die
gesetzliche Rentenversicherung in Schwierigkeiten bringen. Die hohe
Arbeitslosigkeit in den alten und insbesondere in den neuen Bundesländern führt
zu einer Verminderung der Beitragszahlungen und zur ihrer Verlagerung auf die
Bundesanstalt für Arbeit. Die Bundesanstalt übernimmt bis zu 80 Prozent der
Beiträge, die bei Fortsetzung eines Arbeitsverhältnisses angefallen wären. Wenn
die Sozialhilfe an die Stelle der Arbeitslosenunterstützung tritt, entfallen
Beiträge zur Gänze. Der Versuch, einen Teil der Arbeitslosigkeit
durch Frühverrentung aufzufangen, hat das Problem noch verschärft. Er hat eine
doppelte Belastung der Rentenversicherung mit sich gebracht, weil einerseits
Beiträge entfielen und andererseits zusätzliche Rentenansprüche entstanden.
Ein
zweites Problem, das der Rentenversicherung zu schaffen macht, ist die Tendenz
zur Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses, die mehr und mehr zu beobachten
ist und die Beitragsbasis erodiert. Statt unbefristeter und dauerhafter
Beschäftigung werden befristete Beschäftigungsverhältnisse gesucht, statt
Vollzeitarbeit Teilzeitarbeit und statt Teilzeitarbeit geringfügige
Beschäftigungsverhältnisse mit einem Monatseinkommen von nicht mehr als 620 DM,
die nicht versicherungspflichtig sind. Viele bislang abhängig Beschäftigte
wechseln in die Selbständigkeit, um dem Zugriff des Sozialstaates zu entkommen.
Nicht selten handelt es sich dabei um eine Scheinselbständigkeit. Die
Ausweichreaktionen, die von den Sozialabgaben hervorgerufen werden und zu
Finanzierungsproblemen bei der Rentenversicherung führen, gehen bis hin zu
einem Verzicht auf reguläre Beschäftigung.
Weitere Belastungen
für die Rentenversicherung entstanden durch die deutsche Vereinigung und die
Zahlung von Renten an Personen, die keine Beiträge entrichtet haben. Auch die
großzügige Behandlung neuer Mitglieder, die Rentenanwartschaften für
vergleichsweise geringe Beiträge erwerben konnten, hat zur Verschärfung der
Problemlage beigetragen. Hier sind insbesondere Selbständige zu nennen, die
rückwirkend freiwillig Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Wer
von dieser Anfang der siebziger Jahre eröffneten Möglichkeit Gebrauch gemacht
hatte, dem erwuchsen bis zu dreimal so hohe Ansprüche als anderen aus der
Zahlung von Pflichtbeiträgen....
B Legt man
die mittlere Prognosevariante des Statistischen Bundesamtes zugrunde, so wird
die Anzahl
der Personen im Erwerbsalter noch einige Zeit annähernd konstant bleiben, doch
spätestens ab dem Jahre 2020 wird sie deutlich abnehmen, und im Jahr 2040 wird
sie um 30 Prozent niedriger sein als heute. Gleichzeitig wird sich die Anzahl
der Personen im Rentenalter stark vergrößern… Beide Annahmen mag man im
Hinblick auf die Finanzierungsprobleme der Rentenversicherung für optimistisch
halten...
Eine
interministerielle Arbeitsgruppe hat kürzlich eine alternative
Bevölkerungsprognose erstellt, die auf deutlich pessimistischeren Erwartungen
basiert. So wird angenommen, daß die Nettozuwanderung bis zum Jahr 2040 nur bei
ca. 7 Millionen Personen liegen wird, daß die Lebenserwartung der westdeutschen
Bevölkerung bis zum Jahr 2030 um 3 Jahre steigen wird und daß sich die
Lebenserwartung der ostdeutschen Bevölkerung bis zum Jahr 2040 allmählich an
jene der westdeutschen Bevölkerung annähern wird... zur
Quelle
Ich will
gar nicht diese Prognosen diskutieren. Deutlich wird auch hier wieder, dass Langzeit-Prognosen aufgrund der unterstellten
Annahmen zwangsläufig die Qualität von Kaffeesatzleserei haben.
Langzeitprognosen der Vergangenheit bestätigen die hohe Unzuverlässigkeit:
"Erstens kommt es anders und zweitens als als man denkt". Es sei denn, heutige
„Prognose-Experten“ verfügten über hellseherische Fähigkeiten.
Für mich dienen alle diese Demografieprognosen
in erster Linie dazu, von den eigentlichen Finanzierungsproblemen unserer
sozialen Sicherung, insbesondere der Rentenversicherung abzulenken:
o Massenarbeitslosigkeit o fehlender
volkswirtschaftlich notwendiger Sozialkosten-Ausgleich aus den
Rationalisierungsgewinnen Unternehmen,
die aufgrund von Rationalisierungen immer weniger Arbeitnehmer
beschäftigen, beteiligen sich in einem zunehmend erheblichen
Ausmaß nicht mehr an der Finanzierung der Sozialversicherung.
Die entfallenen Arbeitnehmer- und Arbeitgeber-Beiträge in die
Sozialversicherung sind zum Beispiel durch eine Wertschöpfungsabgabe
auszugleichen. Das entlastet Versicherte und beschäftigungsintensive
Betriebe, wie zum Beispiel des Handwerks. Auf jeden Fall sind
diese eigentlichen Finanzierungsprobleme gesamtgesellschaftlich
zu lösen, und nicht einseitig auf die Versicherten abzuwälzen.
o
Belastung der Rentenkasse (wie der übrigen gesetzl.Sozialversicherungen)
mit Fremdleistungen. Nach wie vor werden Fremdleistungen anstatt aus dem Steueraufkommen aus den
Beiträgen der Versicherten (einschließlich Arbeitgeberanteile) finanziert. 2007
zum Beispiel betrugen sie 36,9 Prozent der Gesamtrentenausgaben von 200,6
Milliarden Euro. Trotz Bundeszuschuss und Transferleistungen aus dem
Steueraufkommen verblieben der Rentenkasse 15.875 Milliarden Euro
Fremdleistungen. Ausführliche Informationen hierzu auf: Milliardenschwere
Fremdleistungen belasten die Kassen der gesetzlichen Solidarsysteme Versicherungsfremde
Leistungen K.
A.
Beamtenpensionen
bei gleicher Tätigkeit doppelt so hoch wie Rente Beamte
bekommen bei gleichem Lohn doppelt so hohe Pensionen wie Arbeitnehmer
Rente! Das haben Beamtenrechts-Experten der Gewerkschaft Ver.di
bei einer Anhörung im Innenausschuss des Bundestages aufgezeigt
.An vier Beispielen verglichen sie die Pensionsansprüche eine Beamten
für eine bestimmte Dienstzeit mit den Rentenansprüchen, die der
Beamten im gleichem Zeitraum bei gleichem Gehalt erarbeitet hätte.
Die Ergebnisse: Ein Obersekretär(44), verheiratet, ein Kind
, der 1982 in den Dienst eingetreten ist, hätte für die 27 Dienstjahre
einen Pensionsanspruch von 1251,40 Euro im Monat. Sein Rentenanspruch
für die gleiche Zeit wäre aber nur 627, 72 Euro. Eine Amtfrau (38),
verheiratet, 3 Kinder, Diensteintritt 1990 (3 Jahre Erziehungsurlaub)
hätte bisher einen Pensionsanspruch von 1391,16 Euro. Für die gleiche
Dienstzeit erhielte sie nur 652,87 Euro Rente. Ein lediger, kinderloser
Oberrat der Bundesregierung (46), der seit 1987 Beamter ist, würde
für die bisherige Dienstzeit 1955, 34 Euro Pension , aber
nur 972, 15 Euro Rente bekommen. Ein lediger Kriminalmeister (30)
, Beamter seit 1997, hat bisher 448, 10 Euro Pension sicher, bei
Rente wären es nur 260, 81 Euro.
Wer seinen Riester-Vertrag nachrechnet, muss tapfer sein DIE ZEIT, 29.01.2009 Die wirklich wichtigen Informationen über die Riesterrente erfährt man erst,
wenn der Vertrag schon abgeschlossen ist. Die Versicherung (es ist die Presse-Versorgung, dahinter stehen Allianz,
HDI-Gerling und Axa) hat im vergangenen Jahr mit meinem Geld Erträge von exakt
135,09 Euro erzielt. Im Verhältnis zu den Beiträgen des Jahres wären das 6,9
Prozent... Aber dann kommen diese komischen Posten. Einbehaltene Verwaltungskosten: 118,34
Euro. Hoppla, das sind ja gut vier Euro mehr als die Zulage vom Staat.
Finanzminister Steinbrück zahlt die Prämie also nicht an mich, sondern an die
Versicherungsbürokratie. Für die zahle ich noch eine Extragebühr von 56,70 Euro ... Nach knapp zwei Jahren Riestersparen sieht die traurige Bilanz so aus.
Gezahlte Beiträge: 3.407,04 Euro. Damit erreichtes Kapital: 2.902,64 Euro. Sie
nennen es Altersvorsorgevermögen, aber es ist nur das, was die Versicherung
davon übrig gelassen hat. Unterm Strich steht ein Verlust von gut 500 Euro. Für
das Geld hätte man sich auch ein paar Lehman-Zertifikate kaufen können. Zur
Quelle
Fast
eine Million Riester-Verträge gekündigt Offenbar
glauben viele Bundesbürger nicht mehr an die Riesterrente: Von
den zwölf Millionen bestehenden Verträgen sind viele bereits
wieder aufgelöst worden. Auch Beschwerden darüber nahmen in
diesem Jahr deutlich zu. Rund eine Million Riester-Sparer
haben ihren Vertrag für eine private Altersvorsorge bereits
wieder gekündigt oder lassen ihn ruhen. Dies bestätigte das
Bundessozialministerium am 8.12.2008 in Berlin. Verbraucherschützer
führen dies auf die Unzufriedenheit vieler Sparer mit den hohen
Provisionen und Kosten mancher Riester-Produkte zurück. Derzeit
wird die Zahl der Riester-Verträge mit etwa zwölf Millionen
angegeben. Das Sozialministerium bestätigte einen Bericht der
«Bild»-Zeitung, wonach seit dem Start der Riester-Reform 2001
bis Ende 2007 rund 950.000 Verträge aufgelöst, gewechselt oder
ruhen gelassen wurden. Dabei geht es nur um die 9,3 Millionen
Riester-Versicherungsverträge. Die Zahl könne sogar noch höher
liegen, da aufgelöste Bank- und Fondssparpläne nicht eingerechnet
wurden.
"Die
Riester-Rente ist eine Fehlkonstruktion. Sie nutzt am Ende nur
der Versicherungswirtschaft", kommentiert Klaus Ernst (Linke).
Die Riester-Privatisierung der Rente muss rückgängig gemacht
werden. Die Ansprüche der Sparer aus den Verträgen müssen ohne
Verluste in die gesetzliche Rente überführt werden. Dort sind
sie sicherer aufgehoben als an der Börse.
Rentenerhöhunng
1,1% - und die Medienkampagne gegen Rentner
aus
NachDenkSeiten, erstellt am 16. April 2008 Die
Preisinflation der Lebenshaltungskosten für Rentnerhaushalte
ist offenbar für manche kein störendes soziales Problem – wohl
aber die angekündigten Rentenerhöhungen um 1,1 Prozent für 2008.
Diese Erhöhungen sind anscheinend unsozial, denn es wird lauthals
in den Medien befürchtet: sie „gefährden die Altersversorgung
künftiger Generationen“. Dies wirkt wie Verhöhnung der Alten,
die ihre Rentenansprüche durch Arbeit erworben haben und denen
der Staat jetzt eine inflationäre Entwertung der Renten in fortgesetzter
und unbegrenzter Weise zumutet. In
der Ära Schröder wurde mit den Reformen 2001 und 2004 das künftige Rentenniveau um 18 % abgesenkt. Vorgeblich um „Lohnnebenkosten“ zu senken...
zur
Quelle
Pensionen
steigen stärker als Renten 15.04.2008 Die
Pensionäre des Bundes können auf eine deutlich stärkere Erhöhung
ihrer Ruhestandsbezüge hoffen als die 20 Millionen Bezieher
gesetzlicher Renten. Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion,
Peter Struck trete für eine „Eins-zu-eins-Übertragung“ des Tarifergebnisses
für die Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes auf die Beamten
und Versorgungsempfänger ein. zur
Quelle
Immer
mehr Rentner müssen arbeiten, weil die Rente nicht reicht 15.
April 2008 Zudem ist das reale Einkommen
der Rentner laut einer Banken-Studie in den letzten vier Jahren
stark gesunken. Immer mehr ältere Menschen arbeiten auch
über das Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus. Der Präsident
des SoVD: Der tatsächliche
Kaufkraftverlust für viele Rentner sei sogar noch höher, als
dies die Inflationsrate nahelege. Höhere Gesundheitsausgaben
würden nicht abgebildet. Außerdem sei die Teuerung bei Lebensmitteln,
die einen relativ hohen Anteil an den Ausgaben eines Rentnerhaushalts
ausmachten, höher als die durchschnittliche Inflation. zur
Quelle
Riestern
für den Staat Momentan erhalten in den alten Bundesländern
23,9 Prozent aller Männer und 66,4 Prozent aller Frauen eine
staatliche Rente, die unter 600 Euro liegt. Im Osten sind das
6,3 Prozent der Männer und 35,7 Prozent der Frauen. In Zukunft
wird sich die Rate allerdings drastisch erhöhen, wie eine Studie
aus dem Arbeitsministerium und der Deutschen Rentenversicherung
belegt, die im November 2007 bekannt wurde. Danach werden die
rot-grünen Rentenreformen das gesetzliche Rentenniveau in den
nächsten zwei Jahrzehnten deutlich drücken. Außerdem führe
die Massenarbeitslosigkeit der vergangenen Jahre dazu, dass
die nächste Rentner-Generation im Schnitt weniger Beitragsjahre
aufzuweisen hat, als die heutige - und das vor allem in Ostdeutschland,
wo die Renten bislang noch relativ hoch ausfallen. Der Renten-Experte
Winfried Schmähl warnt: "Wir werden wohl davon ausgehen
müssen, dass die Zahl derjenigen, die tatsächlich Grundsicherung
benötigen und für die die Riester-Förderung gewissermaßen sich
in Luft auflöst, sich deutlich erhöht und dann in die Millionen
geht“. Es ist
der Horror für jeden Kleinsparer: Über Jahre und Jahrzehnte
spart er sich kleine Beträge für eine private Altersvorsorge
vom Munde ab - und erfährt am Ende, dass es ihm nichts bringt.
Gerade Geringverdienern
nütze das jahrelange Sparen nichts, weil die Sozialkassen die
private Altersvorsorge auf staatliche Leistungen anrechne. Gewinn
mache dann also der Staat, nicht der Riester-Rentner. Der
Berater der Bundesregierung, Bert Rürup fordert deshalb Konsequenzen:
Wer privat vorsorge, müsse das Geld auch tatsächlich später
zusätzlich in der Tasche haben. Deshalb müsse die gesetzliche
Rentenversicherung mindestens das Existenzminium sichern.
Wertschöpfungsabgabe
Wertschöpfungsabgabe
zur Finanzierung der Sozialversicherungssysteme 10.01.2006 Nach
Presseberichten beabsichtigt der französische Staatspräsident
Jaques Chirac eine grundlegende Reform der Finanzierung der
Sozialversicherungen. Bemessungsgrundlage für die Unternehmerbeiträge
sollen nicht länger die so genannten Lohnnebenkosten, sondern
die gesamte Wertschöpfung der Unternehmen sein. Kapital- und
technikintensive Unternehmen zahlen höhere Beiträge, während
arbeitsintensive Unternehmen entlastet würden. Die Unternehmen
würden nach ihrer wirtschaftlichen Stärke herangezogen, das
heißt weder über- noch unterfordert werden. Das derzeitige System
benachteiligt die Einstellung von Arbeitskräften. In Deutschland
haben wir keine Regierung, die unsere Forderung nach einer Wertschöpfungsabgabe
aufgriffe. Aber selbst wenn wir sie hätten, müsste sie mit heftigen
Gegenreaktionen rechnen. Staatspräsident Chirac zog sich unverzüglich
die Kritik der Arbeitgeber, Teilen der Gewerkschaften und Teilen
der Wirtschaftswissenschaftler zu, die vor den Folgen für innovative
Firmen warnten. Im Unterschied zu Frankreich werden wir leider
noch nicht Zeugen einer Auseinandersetzung um eine wirklich
grundlegende Reform der Finanzierung der Sozialversicherungssysteme.
zur
Quelle
Lohnintensive Betriebe entlasten - Finanzbasis des Sozialstaats
verbreitern Plädoyer
des VDK 03/2005 Es
ist fraglich, ob Kassenbeiträge und Sozialversicherung auf Dauer
an das Erwerbseinkommen gebunden bleiben können, weil der Lohnanteil
am Bruttosozialprodukt und damit die Kasseneinnahmen tendenziell
sinken. Lohnintensive Betriebe tragen heute die Hauptlast
der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme. Aber die menschliche
Arbeitskraft wird zunehmend, vor allem in den Großbetrieben,
durch den Einsatz neuer Technologien ersetzt. Der nur lohnbezogene
Arbeitgeberbeitrag benachteiligt alle Unternehmen, die in ihren
Betrieben weitestgehend auf den Produktionsfaktor Mensch angewiesen
sind. Bevorzugt sind die Betriebe, bei denen der Faktor Kapital/Maschinen
die überwiegende Rolle spielt. Daher wäre es an der Zeit, eine
neue Berechnungsformel für den Arbeitgeberbeitrag zu finden.
Damit würde zugleich die Chancengleichheit für lohn- und kapitalintensive
Betriebe hergestellt. Für den Arbeitgeberbeitrag ist daher eine
Art Wertschöpfungsabgabe nötig. Die demografische Entwicklung
muss die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit nicht zwangsläufig
verschlechtern. Diese hängt vielmehr von der Produktivitätsentwicklung,
der Wertschöpfung, der Erwerbsquote der Frauen und von der Zahl
derer, die Sozialversicherungsbeiträge leisten, ab. Daher muss
über eine breitere Finanzierungsgrundlage des Sozialstaates
nachgedacht werden, beispielsweise indem die Nettowertschöpfung
der Unternehmen und nicht nur die Lohnsumme als Bemessungsgrundlage
der Arbeitgeberbeiträge herangezogen wird. Der Wertschöpfungsbeitrag
könnte sich im Wesentlichen bemessen am betriebswirtschaftlichen
Gewinn von Steuern. Freibeträge, beispielsweise in Höhe der
Beitragsbemessungsgrenze zur Sozialversicherung, könnten Klein-
und Mittelbetriebe vor überproportionaler Belastung schützen
helfen. zur
Quelle
Denkfehler
22: "Die Lohnnebenkosten sind zu hoch."
nachdenkseiten 22.02.2005 Auszug aus Albrecht Müller, Die Reformlüge ...
S.241ff. Die Bedeutung der Lohnkosten und Lohnnebenkosten wird quantitativ
weit überschätzt. Anhand der veröffentlichten Zahlen zur Volkswagen AG beispielsweise
kann man ausrechnen, welche Bedeutung die Lohnnebenkosten bei den Kalkulationen
dieses Unternehmens im Jahr 2001 hatten: Der Personalaufwand beträgt insgesamt
17 Prozent der Gesamtaufwendungen des Konzerns; diese 17 Prozent setzen sich
zusammen aus 14 Prozent für Löhne und Gehälter und 3 Prozent für Sozialabgaben
(Lohnnebenkosten). Ohne Frage wäre es aus strukturellen Gründen sinnvoll,
die Lohnnebenkosten zu senken und die bisher über Beiträge finanzierten Leistungen
verstärkt über Steuern zu finanzieren. Das würde arbeitsintensive Produktionen
entlasten. Aber es würde weder etwas an der Gesamtbelastung unserer Volkswirtschaft
ändern noch würde es den Durchbruch zur Belebung der Wirtschaft bringen, zumal
die notwendigen Systemänderungen sehr viel Zeit brauchen. Die Belastung kann
nur durch Wachstum und mehr Beschäftigung sinken. Aus all diesen Gründen
ist es also wenig sinnvoll, eine Umschichtung von Lohnnebenkosten auf Steuern
vorzunehmen. Viel eleganter wäre eine andere
Alternative: Die Wertschöpfungsabgabe.
Bisher ist ja die Bruttolohn- und Gehaltssumme die Bemessungsgrundlage für die
Berechnung der Sozialversicherungsbeiträge, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern
für die verschiedenen Sicherungssysteme bezahlt werden müssen. Die
Bruttolohn- und Gehaltssumme ist aber nur ein Teil der gesamten Wertschöpfung
eines Unternehmens. Deshalb gab es schon vor gut zwanzig Jahren den Vorschlag,
auch die durch den Einsatz von Maschinen und großen Anlagen entstehende Wertschöpfung
mit einzubeziehen. Dieser Vorschlag wurde als
»Maschinensteuer« diskreditiert. Interessanterweise
wird in der jetzigen Debatte auf diesen Vorschlag nicht zurückgegriffen, obwohl
die Wertschöpfungsabgabe eine Reihe von Bedingungen erfüllen würde, die als
besonders dringlich gelten: Der Faktor Arbeit würde entlastet, die kapitalintensiven
Betriebe würden stärker herangezogen, der Mittelstand mit seinen normalerweise
höheren Lohnsummenanteilen wäre entlastet. Verglichen mit den aktuellen Reformen
zur Verringerung der Lohnnebenkosten hätte sie zudem den Vorteil, dass der bürokratische
Aufwand vergleichsweise gering wäre... zur
Quelle
Lohnnebenkosten
– Mythen und Fakten Die Handwerkskammern in Bayern veranschlagten
2003 die Kosten für eine Handwerkerstunde auf 43 Euro. Davon
sind 4,70 Euro (= 10,9 %) Sozialabgaben (Rest: 13,60 Euro Betriebskosten
und Gewinn, 12,30 Euro Bruttolohn, 6,50 Euro tarifliche und
freiwillige Sozialleistungen und 5,90 Euro Mehrwertsteuer).
Würde man die Sozialabgaben, wie von der Union gewollt, um 2
Prozentpunkte senken, würde dies die Kosten einer Handwerkerstunde
um ganze 25 Cent senken. Die Nachfrage nach Handwerkerleistungen
würde das kaum erhöhen. zur
Quelle
Warum
2% Senkung der Lohnnebenkosten die Wettbewerbsfähigkeit verbessern sollen, eine
Verteuerung des Euro um 29% trotzdem einen Exportrekord zulässt? Aus
Nachdenkseiten.de,
erstellt am 19.04.2005 Der
gesamte Personalaufwand aller deutschen Unternehmen betrug 2001 17,4% des Umsatzes.
Eine 2%-ige Senkung der Lohnebenkosten schlüge mit 0,35% der unternehmerischen
Kostenrechnung zu Buche. Die Senkung der Lohnnebenkosten wird in der politischen
Debatte und in der Agenda 2010 als eines der wichtigsten Ziele zur Verbesserung
der Wettbewerbsfähigkeit behandelt. Der Euro hatte von 2002 auf 2003 einen
Wertzuwachs gegenüber dem US-Dollar um 29% . Trotz der verteuerten Exporte
war das Jahr 2004 für die deutsche Exportwirtschaft dennoch ein absolutes Rekordjahr.
Offenbar wird bei der Wettbewerbsfähigkeit mit zweierlei Maßstäben gemessen....
zur
Quelle
Lohnnebenkosten »Der
Sozialstaat ist viel zu teuer geworden«, das jedenfalls behaupten
viele Festredner. Wer so spricht, verwendet einen Trick, der bei
Verlautbarungen der Kalten Krieger und Militaristen angewandt wurde
und sich auch jetzt großer Beliebtheit erfreut. So heißt es zum
Beispiel nie: »Wir töten oder ermorden Menschen«, sondern: »Wir
greifen den Irak an.« Der Mensch muss aus der Sprache verschwinden,
um die Ungeheuerlichkeit des Tuns zu verschleiern. So auch im
Fall der Lohnnebenkosten. »Rentner, Kranke und Arbeitslose sind
uns viel zu teuer geworden« — eine solche Aussage wäre herzlos und
würde den einen oder anderen zum Nachdenken bringen. Schließlich
sind einem die Nächsten, die Verwandten und Freunde lieb und teuer.
Und unter ihnen gibt es mit Sicherheit auch Rentner, Kranke und
Arbeitslose. Eine andere Sprachgestaltung würde den persönlichen
Bezug zu den betroffenen Menschen herstellen. Wenn einem ein Mensch
teuer ist, dann hat das nämlich nichts mit Preisen, Kosten und Gewinnen
zu tun, sondern drückt ein menschliches Gefühl der Zuwendung aus.
Und
genau diese Begriffe des Mitgefühls, darunter fallen Worte wie »Mitleid«,
»Nächstenliebe« oder »Sympathie«, tauchen im modernen Sozialstaatsdialog
unserer Reformer nicht mehr auf. Oskar
Lafontaine, Politik für Alle, Berlin 2005, S. 62 f
Ohne Gegenleistungen
keine weiteren Steuergeschenke
Presseerkl. des Bundesgeschäftsführers der Volkssolidarität, Dr.
Niederland, 29.4.05
...
„Gebetsmühlenartig
wird wiederholt, dass Aufschwung und Arbeitsplätze durch die angeblich zu hohen
Steuern für Unternehmen und Vermögen verhindert werden. Tatsache ist dagegen,
dass diese in den letzten Jahren trotz steigender Gewinne drastisch gesenkt
wurden. Experten zufolge hat die Bundesrepublik inzwischen innerhalb der EU die
effektiv niedrigste Steuerbelastung auf Unternehmertätigkeit und Vermögen. Vor
allem große international operierende Konzerne profitieren davon. Sie bedankten
sich für die Geschenke der Bundesregierung aber nicht mit Investitionen und
neuen Arbeitsplätzen. Stattdessen versucht die Bundesregierung, die
selbstverursachten Finanzprobleme durch weiteren Sozialabbau zu lösen.“ ...
zur
Quelle
Die
deutsche Besteuerung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen zeichnet sich durch hohe nominale Sätze,
aber geringe tatsächlich bezahlte Steuern aus. Beitrag
in Wirtschaftsdienst, 2005•Heft
4 von Prof. Dr. Lorenz Jarass
Dies
bestätigt eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung der EU:
Die tatsächlich bezahlte
(effektive) Steuerbelastung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen
ist im EU-Vergleich
in Deutschland am niedrigsten mit 21%. Deutschland
ist das einzige EU-15-Land, in dem die Kapitalsteuerbelastung von 1995 bis 2002
effektiv gesunken ist. Der
nominale deutsche Steuersatz für Kapitalgesellschaften von rund 38% ist der
höchste in allen EU-Ländern. Unsere
eigenen Untersuchungen für Kapitalgesellschaften in Deutschland zeigen andererseits:
Von 1996 bis 2000
betrug ihre tatsächliche Steuerbelastung noch rund 20% ihrer in der Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung ausgewiesenen
Erträge, 2001 und 2002 waren es nur noch rund 8% und 2003 rund 11% ...
Arbeitsplätze
werden dadurch in Deutschland nicht geschaffen. Es kommt durch die Steuerausfälle
vielmehr zu wachsenden Haushaltsdefiziten,
und durch die gleichzeitig verringerten staatlichen Investitionen bröckelt der
deutsche Standortvorteil einer
vorzüglichen öffentlichen Infrastruktur... Zur
Quelle
Wachsender
Reichtum - verarmender Staat Der Staat aber ist arm – gleichzeitig wächst
der private Spitzenreichtum in horrender Weise. Die Diskrepanz wird
immer krasser, mit allen Gefahren, die für den inneren Zusammenhalt
der Gesellschaft daraus erwachsen. Wer daher Überlegungen dazu,
wie sich der Staat die Reichtumsexplosion nutzbar machen kann, als
„Neiddebatte“ abtut, ist albern. Reichtum ist eine Annehmlichkeit,
die jedem gegönnt sei; aber Reichtum wird unsozial, wenn er zum
volkswirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Problem wird.
Jeder Euro, der etwa zusätzlich in Förderung von Kindern aus schwierigsten
Verhältnissen gesteckt werden kann, erspart Folgekosten und verzinst
sich langfristig. Neid? Es geht um Steuern, die der Sozialstaat
dringlichst braucht. Die Häme, die über der Reichtumssteuer ausgeschüttet
wird (die SPD gibt ihr jetzt verschämt andere Namen), ist töricht.
Nicht nur die SPD, auch die Union muss weiter darüber nachdenken,
wie Spitzenreichtum abgeschöpft werden kann. Das ist nicht „links“,
sondern vernünftig. „Eigentum verpflichtet“, steht im Grundgesetz. Die
Realität in Deutschland hat bisher diesen Verfassungssatz Lügen
gestraft. Der Gesetzgeber betrieb Reichtumspflege in der vergeblichen
Hoffnung darauf, dass Steuerentlastungen Beschäftigungseffekte erzeugen.
Privater Spitzenreichtum schafft aber keine Arbeitsplätze. Zur
Quelle
Die Republik
im Steuersenkungsrausch: Sehnsüchte,
Irrtümer und verarmender Staat
Prof. Dr. R. Hickel Prof.
für Wirtschaftswissenschaft - Universität Bremen März 04
Die
deutlichen Kostenentlastungen über Steuersenkungen sind nicht in die
Finanzierung arbeitsplatzwirksamer Investitionen umgesetzt worden. Diese Entwicklung
zeigt, dass die wirtschaftliche Wachstumsschwäche derzeit nicht durch die
Kostenseite gebremst, sondern durch unzureichende Nachfrageerwartungen
verursacht wird. Die angebotsorientierte Lehre, die in Steuern nur Kosten
sieht, hat offensichtlich versagt. Die viel beschworenen
Selbstfinanzierungseffekte von Steuersenkungen über die Ankurbelung des
Wirtschaftswachstums und damit steigende Steuereinnahmen sind ausgeblieben...
Zur
Quelle
Privater
Reichtum und öffentliche Armut - Handlungsoptionen der deutschen Steuerpolitik
Wiesbaden,
23. März 2005, Prof. Dr. L. JARASS, Prof. Dr. Gustav M. OBERMAIR, Angeblich
sinken die Steuereinnahmen, weil die Konjunktur lahmt, obwohl Deutschland ein
reales Wachstum von über 1,5% pro Jahr hat und auch in den nächsten Jahren nach
den Regierungsschätzungen ein Wachstum von 1 bis 2% pro Jahr erreicht werden
wird. Hartnäckig wird von den Unternehmerverbänden und ihrer mächtigen Lobby
in Wissenschaft, Medien und Politik das Märchen von der hohen Steuerlast in
Deutschland und von dem dramatischen Einbruch der Gewinne weitererzählt. Ein
Blick auf die Realität, d.h. die Volkswirtschaftlichen Daten, die Steuerstatistik
und die Konzernbilanzen zeigt, dass die Gewinne insgesamt auch von 2000 bis
2003 weiter gestiegen sind, die tatsächliche Steuerzahlung aber fast nichts
mehr mit dem nominalen Steuersatz zu tun hat. Beträgt der nominale Steuersatz
nach der Unternehmenssteuerreform 2001 ohnedies etwa für Kapitalgesellschaften
(AG und GmbH) nur noch ca. 38%, so fielen deren tatsächlich bezahlte Steuern
von knapp 20% der Gewinne in 2000 auf nur noch etwa 10% in den Jahren 2001 bis
2003...
Es wird nun häufig behauptet, ein großer Teil der Gewinne werde
eben im Ausland erwirtschaftet und trage deshalb nicht zur Steuerzahlung in
Deutschland bei. Eine Untersuchung (Jarass/Obermair, 2004a, S. 83) von insgesamt
7 der größten, stark im Ausland engagierten DAX-30- Unternehmen, die zur Aufteilung
ihres handelsrechtlichen Gewinns Angaben machen (darunter Daimler/Chrysler,
BASF, INFINEON), spricht allerdings eine andere Sprache: der Inlandsanteil des
Gewinns war in der Periode 1999/2000 64%, und stieg in 2001/2002 sogar auf 88%....
Die
zunehmende Verschuldung ist wesentlich auf die insbesondere seit 2001 besonders
unzureichende Besteuerung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit & Vermögen
zurückzuführen... Die von Regierung und Opposition seit Ende der 1990er Jahre
durchgesetzte drastische Senkungen der nominalen Steuersätze zeugen von einem
tiefen Glauben an das Dogma: Senkt die Steuern für die Reichen und die Konzerne
in Deutschland, dann erhöhen sie im Inland ihre Investitionen, dann steigt die
Konjunktur, Arbeitslosigkeit und Staatsdefizit sinken, und alles wird gut. Dieses
Glaubensprogramm wurde von den Wirtschaftsverbänden, den Merz-Anhängern in der
CDU/CSU-Bundestagsfraktion sowie der FDP erfolgreich in die Köpfe der Entscheidungsträger
und der Bevölkerung eingehämmert und seit 2001 mit massiver Unterstützung von
Bundesrat und CDU/FDP-regierten Bundesländern von der rot-grünen Bundesregierung
umgesetzt.
Es widerspricht aber bei globalisierten Kapitalmärkten den Prinzipien
des real existierenden Privatkapitalismus, dass Unternehmen ihre Unternehmenspolitik
freiwillig am deutschen Allgemeinwohl ausrichten und nicht an ihrer Profitmaximierung. Die durch die pauschalen Steuersenkungen den Unternehmen zusätzlich verbleibenden
Mittel werden vielfach am internationalen Kapitalmarkt angelegt oder an die
Anteilseigner ausgeschüttet und, wie die Erfahrung seit 2001 gezeigt hat, nicht
in Deutschland investiert, neue Arbeitsplätze werden dadurch in Deutschland
nicht geschaffen. Die resultierenden Haushaltsdefizite müssen unsere Kinder
und Enkelkinder bezahlen, der deutsche Standortvorteil einer vorzüglichen öffentlichen
Infrastruktur bröckelt... zur
Quelle
Steuergerechtigkeit wieder herstellen Der Anteil der
Lohnsteuer am Gesamtsteueraufkommen von 1960 bis heute ist fast verdreifacht,
während der Anteil der Steuern auf Einkommen aus Unternehmertätigkeit und
Vermögen - 1960 noch doppelt so hoch wie der Lohnsteueranteil - um mehr als die
Hälfte gesunken ist. In einem offenen Brief kritisiert eine Gruppe um den
Hamburger Reeder Krämer, dass im internationalen Vergleich in Deutschland
Vermögen am niedrigsten besteuert wird. „Wenn Sie die Massenkaufkraft stärken wollen, wenn Sie Arbeitsplätze schaffen
wollen, dann schaffen Sie das Steuerparadies für wirklich Reiche in Deutschland
ab und sorgen Sie für eine gerechte Besteuerung“, heißt es in dem an die
CDU-Vorsitzende Angela Merkel und den SPD-Chef Franz Müntefering gerichteten
Schreiben. ...„belasten Sie die Vermögenden statt den Arbeitnehmern und Rentner weitere Opfer
abzuverlangen“. Deutschland benötige bessere Schulen und eine gute
Kinderbetreuung - „aber kein Steuerparadies für Reiche mitten in Europa“. Fasse man Grund-, Erbschaft-, Schenkung-
und Vermögensteuer zusammen, sei der Anteil am Bruttosozialprodukt nach einer
OECD-Studie in Großbritannien, Frankreich, USA oder Japan mindestens 4-mal so
hoch wie in Deutschland mit nur 0,8 Prozent. Aufgrund der „dramatischen
Haushaltslage“ seien 3,8 % angemessen und führten zu Mehreinnahmen von netto 38
Milliarden Euro jährlich. Berichte
über den Aufruf: Handelsblatt
taz Tagesschau
Aufruf
im Wortlaut
(Quelle bremer-montagsdemo.de)
Schönredner und
Wegredner
3.12.2003 Von Dr. Ulrich
Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtverbandes.
"In Grossanzeigen und Broschüren, in medienwirksamen
Inszenierungen für die Nachrichtensendungen bis zur unvermeidlichen Präsenz
der ewig selben Gesichter in den einschlägigen Fernsehquasselrunden - die
strategische Botschaft ist klar: „Die AGENDA 2010 ist gut. Die
Arbeitsmarktreformen bringen Deutschland nach vorne. Mutige Reformen bei Renten
und Gesundheit machen unsere Systeme fit für die Zukunft. Die Bundesregierung
stellt sich den demographischen Herausforderungen.“
Was rüber kommt: Die Arbeitslosenhilfe wird
gestrichen, die Rente wird weniger, die Patienten werden abkassiert, und
irgendwie wird es wohl noch dicker kommen. Bildung tue not, doch die Klassen
werden nicht kleiner, Kinderbetreuung sei wichtig, doch die Kita-Gebühren
steigen. Gespart werden soll, aber neue Schulden werden aufgenommen...
M e m o r a n d u m 2 0 0 4
Arbeitgruppe Alternative Wirtschaftspolitik,
Bremen Mutige Reformen in schwieriger
Zeit – dies ist der Eindruck, den die Bundesregierung über ihre Politik in der
Öffentlichkeit verbreiten will. Mit durchgreifenden Reformen soll die
schwächelnde Wirtschaft belebt, ihre Wettbewerbsfähigkeit gesichert und die
Gesellschaft insgesamt zukunftsfest gemacht werden...
Zur Begründung ihrer Politik behauptet die Bundesregierung: Die Globalisierung und die Alterung der Bevölkerung hätten
einen Problemdruck geschaffen, der diese Reformen unausweichlich mache. Am Ende dieses teilweise schmerzlichen Prozesses werde
Deutschland aber wieder wettbewerbs- wie auch zukunftsfähig sein. Diese Aussagen sind falsch und die darauf
gegründete Politik wird die Probleme nicht lösen, sondern im Gegenteil
verschärfen. Keine der Reformen im Rahmen der Agenda 2010 macht die
Gesellschaft zukunftsfest, alle tragen zu ihrer sozialen und langfristig auch
wirtschaftlichen Destabilisierung bei...
Das soziale Hauptproblem in Deutschland ist die anhaltende
und weiter steigende Massenarbeitslosigkeit, und das Hauptproblem der deutschen
Wirtschaft ist ihre anhaltende Wachstumsschwäche.
Beide Probleme haben weder mit Globalisierung noch mit
Überalterung etwas zu tun, sondern sind hausgemacht.
Die Politik ist nicht bereit... zur
Quelle
Arbeitgruppe Alternative Wirtschaftspolitik,
Bremen
Sozialpolitisches Programm SoVD – Sozialverband Deutschland e.V. Stand: November 2003
Die anhaltende Massenarbeitslosigkeit ist die drängendste
politische, wirtschaftliche und soziale Herausforderung in Deutschland. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weder für die betroffenen
Menschen noch für den Sozialstaat hinnehmbar. Massenarbeitslosigkeit zerstört
die Lebensperspektiven von Menschen, spaltet die Gesellschaft und bedroht den
sozialen Frieden.
Massenarbeitslosigkeit untergräbt die finanziellen
Grundlagen des Sozialstaats. Sie führt insbesondere bei der Sozialversicherung
zu drastischen Einnahmeausfällen und verursacht zusätzliche Kosten für
Arbeitslosenunterstützung und Sozialhilfe. Geringere Einnahmen und steigende
Ausgaben führen zu Beitragserhöhungen und zum Anstieg der Lohnnebenkosten.
Nicht der Sozialstaat ist somit zu teuer, sondern die
Arbeitslosigkeit...
Allerdings zeigen die Erfahrungen
der vergangenen Jahrzehnte, dass bloßes Vertrauen auf die Marktkräfte in
Verbindung mit einer Politik der Deregulierung und des Sozialstaatsabbaus untaugliche
Mittel zum Abbau der Massenarbeitslosigkeit sind. Die Erkenntnis setzt sich
durch, dass selbst hohe Gewinne und Wachstum allein genommen keine Wende auf
dem Arbeitsmarkt bewirken… zur
Quelle
Für eine
Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit
Wort des
Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland
und der Deutschen Bischofskonferenz
zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland 1997
2.1 Lang anhaltende
Massenarbeitslosigkeit
(49) In Deutschland
und in den anderen Mitgliedsstaaten der EU stellt die anhaltende
Massenarbeitslosigkeit die drängendste politische, wirtschaftliche und soziale
Herausforderung dar. Die katastrophale Lage auf dem Arbeitsmarkt ist weder für
die betroffenen Menschen noch für den sozialen Rechtsstaat hinnehmbar….
2.2.3 Finanzielle Belastungen
des sozialen Sicherungssystems
(72) Eine wesentliche Ursache der Finanzierungsschwierigkeiten der
Sozialhaushalte ist die hohe Arbeitslosigkeit. Durch die Massenarbeitslosigkeit
gehen den Sozialversicherungen erhebliche Beitragseinnahmen und den
öffentlichen Haushalten entsprechende Lohnsteuereinnahmen verloren, während
andererseits die Ausgaben der Arbeitslosen- und der Rentenversicherung steigen.
Geringere Einnahmen und steigende Ausgaben führen zu Beitragserhöhungen, die
wiederum als Anstieg der Lohnnebenkosten die Beschäftigung beeinträchtigen
können.
(73) Zur Höhe der Lohnnebenkosten trägt wesentlich bei, daß die Kassen der
Sozialversicherungsträger (Rentenversicherung, Gesetzliche Krankenversicherung,
Arbeitslosenversicherung u. a.) durch Aufwendungen für die Finanzierung der
deutschen Einheit und für die aktive Arbeitsmarktpolitik erheblich belastet
werden. Diese Leistungen sind eigentlich Aufgaben des Staates, sie wurden aber
den Sozialversicherungen übertragen. Weil die Finanzierung dieser sog.
"versicherungsfremden Leistungen" durch Zuschüsse des Bundes nicht
abgedeckt wird, mußten die Beitragssätze zu den Sozialversicherungen mehrfach
angehoben werden... zur
Quelle
Reformkraft für eine gerechte,
demokratische und nachhaltige Arbeitsgesellschaft
Grundsatzreferat J. Peters, 1.
Vors. der IG Metall 20. Gewerkschaftstag Okt.
03 Die Kernprobleme sind Wachstumsschwäche
und Massenarbeitslosigkeit. Und wir wissen: Wenn Reiche und Superreiche sich nicht mehr an der
Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen, fährt jeder Sozialstaat vor die Wand.
Wenn Unternehmen keine Steuern mehr zahlen, sondern sich sogar aus den
Staatskassen bedienen, lässt sich damit kein Staat machen. Kein Zweifel: Der
Sozialstaat muss auf ein neues Fundament gestellt werden. .... Über die Finanzierungsspielräume der
Sozialkassen entscheidet letztlich nicht die Demografie, sondern die Ökonomie. Entscheidend
ist nicht, wie viel junge und wie viel alte Menschen in einer Gesellschaft
leben. Entscheidend ist, wie viele Menschen Arbeit haben und wie hoch die
Einkommen sind, von denen sie Beiträge in die Sozialkassen zahlen. ...
Es geht um mehr Arbeitsplätze und um
Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Generationen. Nur damit sichern wir den
Generationenvertrag für die Zukunft. Der Schlüssel dazu liegt auf dem Arbeitsmarkt. Mehr
Beschäftigung bedeutet mehr Wirtschaftswachstum und mehr Beiträge für die
Rentenkassen...
Arbeitszeitverkürzung
für alle erforderlich aus Memorandum 2007 Arbeitgruppe
Alternative Wirtschaftspolitik, Bremen Wenn
Regierung und Unternehmen jetzt versuchen, die Gesellschaft auf
eine Erhöhung der tariflichen Vollzeit zu orientieren, wird das
zu einer weiteren Verschärfung der ohnehin schon massiven Arbeitsmarktprobleme
führen. Stattdessen wäre eine deutliche Verkürzung der individuellen
Arbeitszeit für alle erforderlich. Die Vorteilhaftigkeit einer solchen
Arbeitszeitverkürzung wird durch die Geschichte der Bundesrepublik
eindrucksvoll belegt. Selbst in der Phase des sog. Wirtschaftswunders
ist das Arbeitsvolumen stetig gesunken – in den 1960er und 1970er
Jahren sogar stärker als in den folgenden Jahrzehnten. Ohne die
Einführung der Fünftagewoche und die Reduzierung der Wochenarbeitszeit
von 44,5 Stunden (1960) auf 40,5 Stunden (1973) wäre die Phase der
relativen Vollbeschäftigung damals deutlich kürzer ausgefallen.
Um die Probleme am Arbeitsmarkt langfristig zu lösen, ist es daher
notwendig, hier wieder anzuknüpfen. Eine dem Produktivitätsfortschritt
angepasste schrittweise Verkürzung der durchschnittlichen tariflichen
Vollzeit auf zunächst 30 Wochenstunden würde in Verbindung mit einer
Ausweitung des öffentlichen Sektors die Arbeitslosigkeit erheblich
vermindern. Zur Quelle
Was bringen längere
Arbeitszeiten für die Beschäftigung? aus
WSI-Mitteilungen 11/2003 der Hans Böckler Stiftung Galten
Arbeitszeitverkürzungen jahrzehntelang als ein geeigneter Ansatz,
Zeitwohlstand zu mehren, Arbeitsbelastungen zu mindern, die Beschäftigungschancen
von Frauen zu verbessern sowie Arbeitslosigkeit zu verhindern und
zusätzliche Beschäftigung zu schaffen, so soll dies alles zukünftig
nicht mehr zutreffen. Neuerdings
plädieren Wissenschaftler und Politiker dafür, arbeitszeitpolitisch
den Weg zurück einzuschlagen. Länger arbeiten bei gleichem Lohn
bedeutet nichts anderes als den Stundenlohn durch die Hintertür
zu senken oder Arbeitsplätze zu reduzieren. So zielen die in Teilen
des öffentlichen Dienstes geplanten Arbeitszeitverlängerungen explizit
darauf ab, die Arbeit auf weniger Beschäftigte zu verteilen und
Stellen abzubauen. Diesen einzelwirtschaftlichen Kostenreduzierungen
stehen höhere gesamtwirtschaftliche Aufwendungen für die Finanzierung
von zusätzlichen Arbeitslosen gegenüber. Zur Quelle
Wahre
Kosten der Arbeitslosigkeit Dr.
Rudolf Martens und Tina Hofmann vom Der
PARITÄTISCHE Gesamtverband
nov2006 Ein
staatlich finanzierter, sozialversicherungspflichtiger dritter Arbeitsmarkt
scheint vielen zu teuer. Aber zu teuer sind vor allem die offenen
und die verdeckten Kosten der Arbeitslosigkeit. Kostenvergleichsrechnungen
haben ergeben, dass man anstelle von Arbeitsgelegenheiten („Ein-Euro-Jobs”)
genauso gut versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse mit
einem deutlich höheren Einkommensniveau als bei Hartz IV schaffen
kann. Der gesamtgesellschaftliche Nutzen wäre erheblich. zur
Quelle
85,7
Mrd Euro kostete die Arbeitslosigkeit 2004 iab
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur
für Arbeit Die Arbeitslosigkeit
verursacht Kosten auf individueller wie auf gesamtgesellschaftlicher
Ebene. In gesamtfiskalischer Betrachtung bestehen die Kosten der
Arbeitslosigkeit zum einen in den Mehrausgaben der Sozialversicherungsträger
und der öffentlichen Haushalte, zum anderen kommt es infolge der
Unterbeschäftigung zu Mindereinnahmen. Mehrausgaben und Mindereinnahmen
summierten sich 2004 demnach auf 85,7 Mrd. Nicht inbegriffen
sind in diesen Berechnungen die Kosten für die aktive Arbeitsmarktpolitik,
arbeitsmarktbedingte Frühverrentungen und soziale Hilfen und Dienstleistungen.
Ferner sind monetär schwer zu quantifizierende Folgekosten, die
bspw. durch Dequalifizierungsprozesse oder zunehmende gesundheitliche
Gefährdung entstehen, nicht berücksichtigt.
zur
Quelle
Ausgaben
der Bundesagentur und des Bundes für Arbeitsmarktpolitik 1998 bis
2006 aus:
Datensammlung Sozialpolitik
VI. Finanzierung der Arbeitsmarktpolitik
Was kostet uns die Arbeitslosigkeit?
IAB Kurzbericht Ausg. Nr.10/ 21.7.2003
Fazit:
Die
Ergebnisse dieser Untersuchung machen deutlich, dass anhaltend hohe Arbeitslosigkeit das Gleichgewicht öffentlicher
Haushalte bedroht und das System der der
sozialen Sicherung gefährdet… zur
Quelle
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